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von Leserinnen und Lesern, der Medien und Buchhändler; - [2] Auf dieser Seite unten: Hier finden Sie meine Meinung zu vielen
Fragen, z.B. zu Kultur und Literatur, zu Philosophie und Themen
unserer Zeit, aber auch zur Tagespolitik und bewegenden
Ereignissen - derzeitig umfasst die Auswahl das Folgende:
[2A] Claus Schenk Graf von Stauffenberg und das Attentat vom 20. Juli 1944
[2B] Thomas Mann und das 3. Reich
[2C] Die Vermessung Kehlmanns als Schriftsteller - oder: Ruhm, wem Ruhm
gebührt
[2D] Ödipaler Vatermord oder blasphemischer Bildersturm - zu Tilman Jens' Buch
»Demenz«
[2E] Die Schriftstellerin Christa Wolf - oder: Deutschland und seine Intellektuellen.
Eine Vaterlandssichtung!
[2F] Europa und die Menschen - oder: Wo aber liegt Europa?
2: Kopiert oder kreativ kreiert - das ist hier die Frage!
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[2] Meine Meinung ist Ihnen wichtig!
[2A] Claus Schenk Graf von Stauffenberg und das Attentat vom 20. Juli 1944
Mit dem neuen Stauffenberg-Film um den Schauspieler Tom Cruise ist in Deutschland eine Debatte ausgebrochen, in der es um nicht weniger als um die Frage geht, ob sich Claus Schenk Graf von Stauffenberg, der Attentäter auf den Diktator und Massenmörder Adolf Hitler, zum Helden der Deutschen in dunkelster Zeit eignet. Kann er uns als der Kopf einer der wichtigsten Widerstandsgruppen im 3. Reich als Anknüpfungspunkt für ein besseres Deutschland gelten?
So leicht es ist, diese Frage zu stellen, so schwer ist es, sie zu beantworten. Denn Stauffenberg bekannte sich niemals zur Demokratie. Er war kein Demokrat, kein Anhänger der Republik und Demokratie. Ihn, der anfänglich vom Nationalsozialismus begeistert war und seine besten politischen Hoffnungen damit zunächst verbunden sah, umschwebte seit seiner ersten Begegnung im Jahre 1923 mit dem Dichter Stefan George die Aura von dessen mythischen Dichterkreis. Doch das Bild des George-Kreises ist damals wie heute in vielen Teilen umstritten und dunkel; und dieses Bild ist bis heute unvollständig, wenn nicht gänzlich düster und obskur geblieben. Wenige Anhaltspunkte gibt es, die Georges Gedichte aus dem im Jahre 1928 erschienenen Zyklus »Das Neue Reich« uns dazu geben, jene Verse, die sogar vom 3. Reich vereinnahmt als auch von dessen Gegnern als Seitenhieb auf Hitlers Regime in Stellung gebracht wurden. Und Stefan George, der Anfang der 30er Jahre in die Schweiz übersiedelte, schwieg sich zu der über sein Leben und Wirken ausgebrochenen medialen Kontroverse beharrlich aus.
So bleiben zuletzt noch die letzten Worte von Claus Schenk Graf von Stauffenberg im Dunkeln, sein Satz »Es lebe das heilige Deutschland!« oder, wie andere sagen, der Satz »Es lebe das geheime Deutschland!«, also jenes bei seiner Hinrichtung und Ermordung im Bendlerblock zu Berlin ausgerufene Fanal für ein in seinem Sinne besseres Deutschland. Wir wissen nur aus dem Manifest der geplanten, ersten Rundfunkdurchsage der Attentäter, dass ihnen die Verwirklichung von Freiheit und Recht in einem anzustrebenden neuen deutschen Staatswesen von höchster Wichtigkeit war.
Doch die Frage bleibt, wäre das Attentat, dieser Staatsstreich gelungen: War es eine offene freiheitliche und pluralistische Demokratie, was diesen vorschwebte? Oder was anderes war es? Und an die Beantwortung dieser Frage kann man sich vielleicht nur annähern, wenn man zu ergründen sucht, wer sie waren, was ihre innersten Motivationen und Antriebe gewesen sind.
Ich versuche in meinem neuen Buch zu Masuren, im Buch zu meinem Ort nirgends, dazu eine Annäherung zu finden, vielleicht auch nur eine von vielen möglichen, aber doch meine Antwort zu geben.
[2B] Thomas Mann und das 3. Reich
Thomas Mann, der in seiner ersten politischen Äußerung als Schriftsteller in seinem Buch »Betrachtungen eines Unpolitischen« den 1. Weltkrieg als ein dem Deutschtum gemäßes Ringen der Völker emphatisch begrüßt hatte, machte seit dem Ende dieser Urkatastrophe des 20. Jahrhunderts eine starke Wandlung durch. Schon in seinen Reden und Essays seit 1923 wurde er zu einem glühenden Verfechter von bürgerlicher Republik und Demokratie und zu einem, der die politischen Extreme von links und rechts mit den Waffen des Schriftstellers, dem Wort, bekämpfte.
Thomas Mann, der 1935 in die Schweiz und in die USA ins Exil ging, hatte bald erkannt, dass die kulturellen Wurzeln seines Schriftstellertums, seines sittlichen bürgerlichen Selbstverständnisses durchaus denen entsprachen, die der Nationalsozialismus für sich reklamierte, auf denen dieser selbst basierte: die frühe deutsche Romantik, Goethe und Herder, Richard Wagner und Nietzsche.
Hieraus erwuchs dem bürgerlichen Schriftsteller Thomas Mann ein großes ethisch-ästhetisches Problem: Wie kann es sein, dass so unterschiedliche Entwicklungen auf denselben Wurzeln fußen? Wie kann es sein, dass sie zu so konträren Folgen führen? Hier die Ideale von Humanität, Aufklärung und romantisch unterlegter Rationalität, der Glaube an den Fortschritt der Menschheit, dort Regression in Rassismus, Obskurantismus und Verhunzung deutschen Kultur- und Bildungsguts.
Auf diesem hoch interessanten Hintergrund kann man Thomas Manns Essays zur Lektüre nur sehr empfehlen - aber nicht nur auf diesem. Ich versuche in meinem Buch zu Masuren zu diesem Zusammenhang zwischen dem bürgerlichen Schriftsteller Thomas Mann und der Urkatastrophe des 20. Jahrhunderts Stellung zu nehmen.
[2C] Die Vermessung Kehlmanns als Schriftsteller - oder: Ruhm, wem Ruhm gebührt
Jungs Rezension in der Wochenzeitschrift DIE ZEIT zerbröselt Kehlmanns neues Buch »Ruhm« zwischen den Mühlsteinen von Thomas Manns Buddenbrooks und Günter Grass' Blechtrommel. Er kommt zum Schluss, dass außer einer guten schriftstellerischen Idee zum Buch nur eine Sammlung von neun Geschichten aus Tausendundeinernacht herausgekommen sei, ja dass sogar, was heutige Leser besonders an der Lektüre eines Buches reizt, nämlich die erotischen Szenen, schlecht geschrieben und erzählt seien.
Ist das nicht zu viel Anspruch, der hier von vorneherein gesetzt wird und wurde? Muss es immer gleich Thomas Mann und Günter Grass sein, wenn von Erfolg im Literaturbetrieb, wenn von jungen Autoren gesprochen wird? Ist Kehlmann, der als Komet am Sternenhimmel des Buchmarktes gefeiert wird und wurde, der mit Literaturpreisen und sonstigen Auszeichnungen und Belobigungen schnell überhäuft wurde, schlicht und ergreifend nicht einfach nur zu bedauern? Es scheint, man lobte hoch, um tief fallen zu lassen – um weg, um aus dem Literaturbetrieb fort zu loben.
Durch sein erfolgreiches Megabuch »Vermessung der Welt« scheint man ihn zum Niveau, das da sofort heißen muss Thomas Mann und Günter Grass verdonnert, verpflichtet, gezwungen zu haben (Und dem Rezensenten ist zugute zu halten, dass er es sagt, nicht nur denkt). Aber warum? Um ihn gleich fertig zu machen? Ihn tief fallen lassen zu können? Er wird gemessen an dem, was er einst erreichte; vermessen an dem, was für Rezensenten und lesendes Publikum nun aus dem Stand heraus möglich sein müsse. Ist das opportun? Oder will man damit nur sagen, dass man immer wieder nur lieber die alten Hasen, die Grass', die Walsers', die .... lesen will? (Hinweis: Ich habe nichts gegen diese Autoren! Sie gehören ohne Frage zum Besten, was die deutsche Literatur seit 1945 geboten hat!).
Aber, bei aller Kritik an den Erwartungen von Rezensenten und Buchmarkt, zwei unprofessionelle Fehler hat Kehlmann im Umgang mit der medialen Öffentlichkeit auf jeden Fall gemacht:
Er hat erstens im FAZ-Interview sein neues Buch erklärt, ja interpretiert, was zeigt, dass er Angst hat, es könnte missverstanden, in seiner Güte nicht erkannt; es könnte ein Flop werden, nicht auf der Höhe der Vermessbarkeit sein.
Er hat zweitens zu viel über sich, über seine schriftstellerische Werkstatt, seine zwischenzeitlichen Schreibversuche und -probleme preisgegeben. Er hat sich gegenüber Kritik und Öffentlichkeit vermessbar gemacht. Er hat öffentlich gemacht, dass zwischen großem Erfolg und Autorenwirklichkeit Welten liegen könnten. Er hat selbst dem Anspruch, den er in sich setzt und in ihn gesetzt sieht, geschadet: damit seinen zukünftigen Büchern, möglicherweise seinem Ruhm.
So könnte geschehen, was schon so vielen Autoren geschah: Ein Autor, der mit seinem Erstling zu solcher Quote kam, könnte tot sein, bevor er richtig gelebt hat. So erging es vielen, wird es vielen ergehen, auch wenn es noch viel mehr andere gibt, die nur für die Schublade schrieben, niemals diese Chance bekamen, die Kehlmann hat. Wir sehen daran: Der Buchmarkt ist ein hartes Brot. Aber härter ist die Angst, es nicht noch einmal zu schaffen! Und diese Angst heißt, die falsche Tugend zum Ratgeber zu machen.
Hier finden Sie diese Rezension bei der Wochenzeitschrift DIE ZEIT
[2D] Ödipaler Vatermord oder blasphemischer Bildersturm - zu Tilman Jens' Buch »Demenz«, eine Auseinandersetzung mit seinem Vater Walter Jens
Walter Jens - daran haben wir uns gewöhnt - ist eine hochkarätige Persönlichkeit: Er ist die herausragende moralische Instanz der alten Bundesrepublik. Er, der Tübinger Rhetorikprofessor, Teil der Gruppe 47, ist und war das gute Gewissen dieses Landes. Er wurde für uns zum Pseudonym des aufrechten Gangs, wenn es für ganze Generationen um gesellschaftliche Verantwortung ging. Und nun das, es ist kaum zu glauben: Tilman Jens, der eigene Sohn und dessen Buch Demenz, vermarktet die Krankheit des Vaters! Schlägt Kapital aus des Vaters körperlichem Niedergang!
Aber der Sohn zerstört auch unser Denkmal vom Vater im Kopf, zerschlägt unser vom Übervater imaginiertes Bild, das Walter Jens hieß: Es zerstört auch uns, unser gutes Gewissen, weil wir in unseres Übervaters moralischer Unduldsamkeit und Geradlinigkeit immer unser bestes Wollen, unser höchstes moralisches Gewissen aufgehoben sahen. Tilman Jens zerstört damit unseren größten Halt angesichts vielfältiger gesellschaftlicher und globaler Bedrohungen. Denn - unser Gefühl trügt uns nicht! - keiner vermag sich in staatsbürgerlicher Hinsicht mit einem vor Augen geführten Kaninchenpfleger und Blumenfreund W. J identifizieren. Und ohne ihn, diesen letzten verlässlichen moralischen Garanten, erscheint uns in dieser Gesellschaft vieles schrecklich biedermeierlich, der Staat und seine Organe restaurativ und alles zusammen höchst gefährdet.
Und so fühlen wir uns, indem uns Tilman Jens vorführt, wer uns mit seinem Vater verlässt, selbst verlassen, allein gelassen, uns unserer Verantwortung überantwortet. Und so zerstört Tilman Jens mit seinem Buch noch unsere höchsten moralischen Illusionen: Dass alles besser sei, als ohnehin schon befürchtet. Er nimmt uns mit seinem Buch den letzten Rest, den Traum, dass alles gut wäre oder noch werden würde: mit uns und den ganzen Gefährdungen in dieser Welt.
So meinen wir, dass es der Bote ist, der die böse Nachricht bringt, woran alles krankt, er aber zeigt uns mit seinem Buch, wir sind es selbst. Wir sind es, die das sein sollen, was Walter Jens immer gewesen war, was er uns vorlebte, was er uns gezeigt hat! Bürgerstolz beginnt mit Bürgertugend. Und deren Anfang ist das eigene Gewissen, über das der Staat und seine Organe keine Verfügungsgewalt haben; und das unterscheidet die Demokratie vom totalitären Regime; denn sie allein lebt davon: Vom Gewissen des einzelnen, der Verantwortung, die in bestem Kant'schen Sinne vom eigenen Nachdenken ihren Ausgang nimmt und zur Einmischung führt.
Wir sind es, das Volk, und diejenigen, die Verantwortung für uns und alles tragen. Und auch das wird mit Tilman Jens Buch schmerzlicher: Weil er des Vaters Demenz zur Flucht macht, zum Narkotikum des Vaters vor der eigenen Vergangenheit, die auch bei ihm Mitläufertum und NSDAP-Mitgliedschaft hieß. Und so sehen wir, dass im Bildersturm zugleich ein Vatermord steckt, aber einer, der mit ihm, nichts mit dem Vater zu tun hat: Als der eigene Versuch erwachsen zu werden und als Bewusstsein, das Leben nun endlich selbst in die Hand nehmen zu müssen.
Und so müssen auch wir gehen – selbst gehen lernen, über unsere Väter hinaus, unsere Überväter, die fehlbar sind wie wir, fehlbar waren und keine moralisch über alles erhabenen, unantastbaren Götter, wie wir immer gern geglaubt haben. Denn in der Demenz, in der unübergehbaren Krankheit unserer Überväter und -mütter wird uns schmerzlich bewusst, dass wir noch immer nicht erwachsen geworden sind, dass wir unseren staatsbürgerlichen Weg vielleicht noch nicht einmal begonnen haben.
Für mich war Tilman Jens' Buch über den Vater Walter Jens, den ich selbst noch kannte, eine Erhellung, eine Beschreibung meiner selbst und meines Verhältnisses zum Vater; und es wurde für mich zu einer Arbeitsanweisung in der Auseinandersetzung mit diesem. Daher finde ich das Buch gut, sehr gut, lesenswert für alle, die erwachsen werden und sich auf den Weg zum Rousseau'schen Citoyen machen wollen.
Hier finden Sie diese Rezension bei der Wochenzeitschrift DIE ZEIT
[2E] Die Schriftstellerin Christa Wolf - oder: Deutschland und seine Intellektuellen. Eine Vaterlandssichtung!
Christa Wolfs spät offen gelegte Selbstverpflichtung für die DDR-Stasi, ihre Kapitalismus-kritik an der alten BRD und ihre Vorbehalte gegen den Untergang der DDR im Jahre der Wiedervereinigung erbrachte ihr kein positives Renommee, trotz einer Literatur, die ihr in den Jahrzehnten davor große Beachtung verschafft hatte. Sie ist seither keine ernst genommene Schriftstellerin mehr, keine moralische Instanz fürs Deutschland der neuen Republik seit 1990.
Aber andere, von denen wir bisher überzeugt gewesen sind, dass sie moralisch hoch stehend und über alle Kritik erhaben sichere Gewährsleute unserer besten Absichten für eine bessere Welt sein müssten, haben vor kurzem ihre Verstrickungen in längst überwunden geglaubte politische Zumutungen eingestehen müssen. Und zum Teil besserwisserisch an ihrem Weg festgehalten.
Aber ist all das, was wir darin sehen müssen, nicht nur eine allzu menschliche Krankheit, eine allzu deutsche Mentalität: Denn noch die letzte allzu deutsche Revolution, die unter dem Motto gestanden hatte „Wir sind das Volk!“, führte zu nicht viel anderem als zur Verbrüderung der politischen Klassen von Deutschland West und Ost unterm Deckmantel der BRD-Verfasstheit. Es wurde der Untertanengeist, das Obrigkeitsdenken des von Alters her wohl bekannten preußisch-restaurativen Wegs nur um ein weiteres Beispiel ergänzt – was letztlich schwerwiegender ist als die Tatsache, dass sich die CDU West die CDU Ost einverleibte, dass sich die SED als Die LINKE auf Basis alter stalinistischer Kader neu formierte und die SPD sich dieser inzwischen zunehmend anbiedert.
Christ Wolf wird da zur Projektionsfläche eines schlechten Gewissens, zu der einer an sich besseren Einsicht, die man nicht leben will, die man in eine uneingestandene, moralische Gewissenlosigkeit abschiebt, geschuldet der Mentalität, vom Staat und der Gesellschaft alles, von sich selbst nichts zu verlangen: das Gemeinwesen wird da zu reiner Teilhabe an obrigkeitsstaatlich gewährten Sozialtransfers oder dem staatsliberalistisch sanktionierten kapitalistischen Boniwesen.
Und da interessiert es auch niemanden mehr, dass Christa Wolfs Werk über anderes spricht: Christa Wolfs Bücher haben mich immer tief beeindruckt, weil sie viel über das deutsche Wesen, den Umgang der Deutschen mit ihrer Geschichte und über ihren Umgang mit ihren Intellektuellen aussagen. Christa Wolfs Bücher waren für mich immer eine Auseinandersetzung mit der Authentizität und dem Selbstverständnis deutschen Dichtertums und Schriftstellerei gewesen: eine Auseinandersetzung zwischen totalitären Geschichtsentwürfen mit solchen der Demokratie und eines recht verstandenen Republikanismus.
Dabei kennzeichnet Christa Wolfs Werk Entmutigung, Ausweglosigkeit, ja Sprachlosigkeit, auch in ihren Figuren wie z.B. Karoline von Günderode und Heinrich von Kleist, und noch Kassandra. Ihre Bücher sprechen von Figuren, von Intellektuellen, die nicht ankommen, wo sie hingehören, wo sie dazugehören wollen und sollten. Ihr Land, in dem sie leben, ist ihnen verschlossen, bleibt fremd, ist ein Kontext der Existenzweise, der sich ihnen nicht erschließen kann. Und sie sind darin nur die Gradmesser des Unzeitgemäßen, Verschobenen, Falschen: des Leidens an sich und ihrer Nation.
Aber Christa Wolf ist und bleibt, trotz dem, das sie auch war, eine wichtige Mahnerin auf dem Weg zu einer Sehnsucht nach Freiheit, Solidarität und Menschlichkeit, auf dem Weg zu eingelösten Menschenrechten, die so universal sind wie Sprache, Kommunikation und poetische Werkfähigkeit. So ist es nicht so sehr das Sozialistische, die Kapitalismuskritik an ihr, das Falsche ihres eigenen politischen Wegs, die uns einen Weg weisen können, sondern ihr poetisches Werk, das uns auf dem Weg in eine Demokratie mit einer humaneren Marktwirtschaft in globaler Herausforderung Hinsichten geben kann. Denn dass Christa Wolf in ihrer Kritik an der alten Bundesrepublik diese als Systemalternative gegenüber der DDR verwarf, ist kein Appell für die Diktatur. Dem widerspricht schon ihr poetisches Werk. Es wäre sicherlich Zeit, Christa Wolfs Schaffen neu zu sichten.
Hier finden Sie diese Rezension bei der Wochenzeitschrift DIE ZEIT
[2F] Europa und die Menschen - oder: Wo aber liegt Europa?
Ein Kommentar zum Artikel "Ich wir sie - die französische Philosophie sieht die Gemein-schaft mit Skepsis ...", geschrieben als zweiter Kommentar am 08.07.2008 um 22:04 Uhr, in der Wochenzeitschrift DIE ZEIT; er hat folgenden Wortlaut:
2. Um gleich ein Beispiel zu ...
Um gleich ein Beispiel zu nennen: Europa beginnt nicht im egalitären Raum abstrakt zusammengenommener Staaten, denen man Vorschriften und abstrakte, bürgerferne Institutionen gibt. Denn dort, wo alles gleich gültig ist, könnte sich schnell größte Gleichgültigkeit einnisten. So haben nicht ohne Grund die in der Vergangenheit so großen, vermeintlich Gemeinschaft bildenden Zwangskonzepte der Geschichte reichlich versagt, gleichgültig ob nun Kommunismus, nationaler Sozialismus oder die vielen Zwischen-, Extern- und Extremformen religiöser oder autoritärer Provinienz. Daher finde ich den Satz sehr treffend: "Inakzeptabel als politisches Projekt, bleibt sie (die Gemeinschaft) als Ethik, die in individueller Lebensführung wurzelt, gleichwohl praktikabel." Sehr wohl, praktikabel als Ethik, als Weg, der beim einzelnen beginnt und ihn und alle zur Gemeinschaft Gleichgesinnter führt.Darum glaube ich, dass Europa bei den Menschen, in den Regionen beginnt, nicht im Abstraktum egalitär vereinheitlichter Nationalstaaten. Europa muss leben, von unten her, von den Menschen, aus ihren Herkünft(en), ihrer Kultur und ihren Traditionen herkommend. Dann erst kann gelingen, was Aristoteles mit zoon politicon umschrieb, was Europa den Frieden, die Gemeinschaft der Menschen bringt, den sie endlich und lange schon verdienen.Autorenhompage: www.burkhard-wittek.de
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[2G] Ullsteins lustige Abschreibaffäre - Helene Hegemanns Buch »Axolotl Roadkill«
Die Hegemann hat per Copy&Paste geschrieben, sich an ganzen Passagen anderer bedient, ohne zu fragen. Dennoch wurde ihr Buch mit großem Marketing-Pomp in die Feuilletons und den Buchmarkt gedrückt, es wurde für einen Buchmessepreis in Leipzig nominiert. Also alles eine lustige Abschreibaffäre?
Die junge Frau ist eine pubertäre 17jährige, die vom Leben noch nichts weiß, die eine Schulausbildung abbrach, aber große Schriftstellerin sein will. Denn sie ist zu jung, um im Leben angekommen zu sein, was sie schreibt, zu abseitig, dass sie es selbst erlebt haben könnte. In ihr rumort ein ominöser Drang der Selbstgefälligkeit, in der sie sich mit Goethe und Shakespeare vergleicht. Aber mangels genügendem Talent gelingt nur eine Copy&Paste-Manie, ein leerer Durst nach Leben, der eine Kopie des eigenen Anspruchs ist. So wird ihr Versagen zu dem des Verlags, seines Lektorats und des Vaters.
Aber das Verlagswesen, das vor kurzem erst das Urheberrecht gegen Googles Scanning-Fraß durch die Weltliteratur verteidigte, setzt so die Axt an die Wurzeln jenes Baums, auf dem er selber sitzt. Wer soll das Urheberrecht noch achten, wer sich auf den Weg kreativen Schreibens machen, wenn Copy&Paste literarisches Stilmittel wird?
Es wäre daher Zeit, dass Ullstein dieses unsägliche Buch vom Markt nimmt. Doch dazu wird es nicht kommen: Denn alles ist in der Kulturindustrie, um mit Adorno zu sprechen, eine Frage des Geldes - oder des Profits, wie wir nun leider lernen müssen.
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[2G] Kopiert oder kreativ kreiert - das ist hier die Frage!
Herr Martenstein schreibt eine Satire über den Vorwurf gegen Hegemann, sie habe das Buch von Airen plagiiert. Er verschärft darin den ursprünglichen Anspruch Hegemanns nach Originalität, indem er konzediert, sie habe den Text von Airen noch verbessert.
Aber Spaß oder Satire mal beiseite: Airens Text ist besser als der Hegemanns, oder persönlicher formuliert: jener gefällt mir besser als dieser.
Aber was mich besonders frustriert hat beim Anlesen von Hegemanns Buch: Bereits auf den ersten Seiten finden sich die wesentlichen Textstellen, die gemäß anderer Kritiker so oder ähnlich von Airen stammen. Und das lässt durchaus nicht viel Originalität im weiteren Buch erwarten. Also ermüdet der Leser vorzeitig enttäuscht und bricht sogar ab, greift tatsächlich lieber zum Original als zur Kopie.
Was mich beim Text Hegemanns aber besonders verblüffte, war die von Lebenserfahrung verständigte Sprache, die erfahrungsschwangere Diktion, die man einer 17-Jährigen in dieser Weise keineswegs zutrauen zu können glaubt. Und die Anschauung ihrer Person, wenn man sie im Interview, in den Talkshows sieht und hört, scheint diesem Eindruck Recht geben zu wollen.
So bleibt man bei Hegemann und ihrem Buch ratlos zurück, fragt sich durchaus, ob sie und ihr Buch nicht einfach nur eine Satire auf unseren Kulturbetrieb sind. Das wäre nun doch einmal eine Pointe, die einen Hype auf Bestsellerlisten und im Feuilleton wert gewesen wäre.
Sie finden diesen Kommentar bei der Wochenzeitschrift DIE ZEIT.
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[3] Ihre Meinung ist mir sehr viel wichtiger!
Schreiben Sie hier Ihre Meinung zu diesem Internetauftritt, den Büchern von Burkhard Wittek oder zu Fragen der Literatur und Kunst, Gesellschaft und Politik. Ihre freue mich aber auch über einen Gruß von Ihnen!
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Aus rechtlichen Gründen müssen vor einer Veröffentlichung und Freigabe im Gästebuch alle Beiträge von mir geprüft werden. Es wird, außer in rechtlich zweifelhaften Fällen, keine Zensur über die Texte ausgeübt, d.h. auch Kritik ist erlaubt.
Allerdings behalte ich mir vor, Texte ohne
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